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Der Krieg in Deutschlands Unternehmen

Der Krieg in Deutschlands Unternehmen

Unerkannt in seiner Gefahr fürs Unternehmen, schleicht sich ein Konflikt, im Gewand der Normalität, ins System hinein…

Als Unternehmensberaterin kenne ich nun schon sehr viel und lerne mit jedem Auftrag, den ich erhalte, neues hinzu. Der traurige Dauerbrenner in meiner Praxis sind Konflikte. Was ist eigentlich das Schlimmste an diesen Konflikten, habe ich mich vor kurzem gefragt, als ein erfolgreiches Unternehmerpärchen erschöpft vor mir saß. Erschöpft durch all die durchgestandenen, irrationalen Kämpfe, durch das Gefühl in der Falle zu sitzen, dem Feind ausgeliefert, der anno dazumal glücklicher Mitbegründer einer guten unternehmerischen Idee war.

Nichts davon ist geblieben, nur Misstrauen und eine unsagbare Überempfindlichkeit, dem geschäftlichen Partner gegenüber. Und ganz viel Wut, blinde Wut, zerstörerische Wut…

Nun ja, die Antwort auf meine Frage, was das Schlimmste an Konflikten sei ist, der Verlust der Rationalität, gepaart mit dem Mechanismus, Konflikte auszusitzen, wegzuschieben und wenn überhaupt erst dann zu kommen, – um Hilfe zu holen -, wenn schon Unsummen im Schlund des Konflikts verschwunden sind und das AUS kurz bevorsteht.

Warum werden Konflikte ausgesessen, statt sie im Keim zu ersticken?

Die Antwort auf diese Frage liegt im Verlust der Rationalität begründet. Was am Anfang eines solchen Konflikts noch versucht wird durch Klärung aufzufangen, gerät mit der Zeit aus dem Fokus. In den Fokus rückt „der Feind”, der kein anderer als der Kollege, als der Geschäftspartner, als ein Mitarbeiter etc. ist. Der Feind kommt so ins Unternehmen. Wo Feinde sind herrscht auch Krieg. Trifft es Partner eines gemeinsamen Unternehmens, so findet der Krieg auf unternehmerischem Boden statt. Und dieser Krieg hinterlässt Schäden, die unmittelbar im Herz des Unternehmens stattfinden.

Mitarbeiter werden infiltriert, also zunächst gewaltlos einbezogen, mit dem Versuch des Einnehmens für die eigene Seite. Je stärker die Ausmaße des Konflikts, desto stärker auch die Ausgleichsbewegung. Was eigentlich Chefsache ist, wird durch Mitarbeiter getragen, denn die Chefs sind längst mit der Zerstörung des jeweils anderen beschäftigt. Die Zerstörung verbirgt sich hinter dem Gewand von Gerechtigkeit. Bekämpft wird das Ungerechte, die Gemeinheit und die nervige und unkorrekte Art des Gegenübers. Das ist aber nur vordergründig so. Geschädigt wird das Unternehmen, indem Arbeit liegen bleibt, unsinnige Mails hin und her gehen, lange Gespräche über den „schrecklichen anderen” geführt und Strategien entwickelt werden, um den Feind aus dem Unternehmen zu werfen. Alles in allem, eine wertvolle Zeit, die dem Unternehmen und seinen Zielen verloren geht. Summa summarum, viel verlorenes Kapital.

Das schleichende Übel.

Die Emotionalität steigt mit jeder Konfliktminute an. Je länger ein Konflikt andauert, desto emotionaler wird er. Mit dem Anstieg der Emotionalität, geht proportional gesehen die Rationalität, also die Vernunft und der Verstand in den Hintergrund. Das macht Konflikte so gefährlich. Wer nun denkt, Emotionalität kommt immer laut daher, der sollte hier lieber umdenken.

Vor langer Zeit schlichtete ich einen Konflikt, bei dem einer der konfliktbeteiligten Gesellschafter plötzlich ganz ruhig wurde und mich kurz an sich zog, um mir eine Frage ins Ohr zu hauchen. Zuerst dachte ich, es handele sich um einen schlechten Scherz oder ich habe mich nur schlicht und einfach verhört. Dann aber musste ich feststellen, dass hier ein bitterer Ernst in der Luft lag. Die gehauchte Frage lautete: „Soll ich den Killer abbestellen?”

Selbstverständlich kam es nie zu einem Mord. Die Herren leiten noch heute ein Unternehmen. Der Konflikt wurde entemotionalisiert. Die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt.

Sich Gedanken zu machen, ob es nur eine rhetorische Frage war, die dieser Herr stellte, bringt nichts. Allein die Frage zeigte, die Gefahr die hinter jedem Konflikt steht. Die Normalität verschiebt sich zu Gunsten der Irrationalität. Was für Außenstehende unglaublich erscheint, ist im Konfliktgeschehen normal. Wer nun denkt, man bräuchte eine kriminelle Energie oder das Gen eines Tyrannen, um im Konflikt auszurasten, der irrt.
Das hat mich die Begleitung unzähliger Konfliktgeschehen in Unternehmen gelehrt.

Der Krieg in deutschen Unternehmen – Ein Stopp muss her!

Was wünsche ich mir in Sachen Konflikt – aus der Sicht einer erfahrenen Beraterin gesehen?

Ein Stopp, das wünsche ich mir. Ein Stopp, was durch die Sensibilität Konflikten gegenüber entsteht. Auch wünsche ich mir das Einsehen, dass die Weisheit: „Konflikte machen blind”, nicht von ungefähr entstanden ist. Ich wünsche mir, dass Hilfe holen nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als Zeichen einer zurück kehrenden Rationalität gewertet wird. Auch steht auf meiner Wunschliste, Konflikte als unterschätztes und gefährliches Massenphänomen in Unternehmen einzustufen, dem nicht durch enge Methodenpläne beizukommen ist. Konflikte gehören zu den normalsten Übeln der Welt. Jedes Übel braucht eine individuelle Behandlung, bei dem nicht der Konflikt, sondern die Rückgewinnung der Vernunft im Fokus steht. Das geschieht nur außerhalb von Kriegsfeldern, denn im Krieg, sei er kalt oder heiß, geht es um Macht und Ohnmacht, um Oben und um Unten, um Leben und um Tod. Nur wenn der Fokus auf Beendigung des Missstandes gerichtet wird, verlassen die Konfliktbeteiligten das Kriegsfeld. Geht es um Recht und Unrecht, so befinden wir uns noch im kriegerischen Geschehen.

Im Krieg kann jedoch nie Frieden sein.

Je schneller wir einsehen, dass Konflikte nicht Teil eines unternehmerischen Alltags sind, sondern die Eintrittskarte mitten in einen Krieg hinein, umso schneller erkennen wir an, dass jedes Wissen, was wir unser eigenes nennen, keinen Schutz vor Konflikten darstellt. Denn eines darf man nie unterschätzen, die schleichende Wirkung von Konflikten, die im Sinne eines Verlustes von Verstand und Vernunft einhergeht. Folge dessen spielt unser Wissen mit Anstieg der Emotionalität keine Rolle mehr. Leider ist das ganz normal. So erklärt sich auch die Scham, die so gut wie jeden Konfliktbeteiligten im Laufe der Auflösung heimsucht. Hier hilft aber keine Scham weiter, sondern nur die Erkenntnis, dass ab einem gewissen Entwicklungsgrad eines in die Jahre gekommenen Konfliktes, interne Hilfsversuche oft verpuffen. Irgendwann fehlt selbst die Kraft zur Konfliktbeendigung. In dieser Phase kommt es zu willkürlichen Ausbrüchen des Konflikts.

Das Sehen kommt erst danach…

Was für ein unternehmerischer und auch gesundheitlicher Schaden durch den Konflikt entstanden ist, eröffnet sich den Konfliktbeteiligten oft erst nach der Entemotionalisierung. In dieser Phase der Normalitätszurückgewinnung wird oft die Frage gestellt, warum haben wir es bloß so weit kommen lassen?

Diese Frage ist nicht wirklich zu beantworten, als zu erklären mit dem Verlust der Rationalität. Gemäß des Wissens, der Fokus kann immer nur an einer Stelle verweilen, erklärt sich auch der Sachverhalt, dass Frieden und Krieg nicht gleichzeitig existieren können. Es geht nur eines.

Jeder Unternehmer sollte daher darauf achten, dass Konflikte, das das Ergreifen von Parteilichkeit, dass das Durchleben von Macht und Ohnmacht, Teil eines kriegerischen Umfelds sind. Innerhalb dieses Umfelds kann niemals Frieden sein.

Also beenden Sie jegliche Konflikte in Ihrem Unternehmen. Ist der Verlust von Rationalität zu weit fortgeschritten, so holen Sie sich eine Hilfe zum Stoppen. Denn im Frieden kann ihr Unternehmen zu dem reifen, was sein Potential hergibt. Im Krieg nicht. Dort entstehen Schäden, die es zu verkraften gilt.

Der Schokolatier liebt seine Schokolade, der Berater seine Erfolge

Für mich als Beraterin ist der größte Erfolg die Verwandlung einer konfliktverseuchten Beziehung miterleben zu dürfen. Oft geht dieser Prozess über eine zunächst aufgebaute Distanz. Dieser Prozess braucht seine Zeit. Er hat seine Höhen und seine Tiefen. Je länger ein Konflikt wüten durfte, desto größer ist die gegenseitige „Allergie”. Wenn schon einmal wieder einfach nur gearbeitet werden kann, ohne sich gleich an die Gurgel zu springen, ist viel geschafft.

Ähnlich wie beim Conchieren guter Schokolade braucht es ein gutes Gespür des Beraters und eine Geduld auf der Seite der Konfliktbeteiligten. Nicht zwangsläufig muss einer gehen, damit das Unternehmen wieder läuft. Nein, was geschehen muss, ist die Entnahme der Störungen, die entstanden sind, -.auf allen Ebenen des Unternehmens, wo der Konflikt eingreifen konnte. Geduldig und konsequent. Denn selbst wenn die Konfliktbeteiligten gehen würden, so geht noch lange nicht der Konflikt. Er wird einfach von anderen unternehmensinternen Personen aufgegriffen und weiter gelebt.

Ihnen wünsche ich ein friedliches Miteinander. Gerne helfe ich Ihnen beim Stoppen Ihrer Konflikte und beim Erschaffen einer friedvollen unternehmerischen Kultur.

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