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SOS – Die Sache mit dem Flaschengeist!

SOS - Burnout ist keine Privatangelegenheit

SOS - Die Sache mit dem Flaschengeist!

Warum ein Burnout nicht nur eine Privatangelegenheit ist.

Nun ja, manchmal ist es nicht einfach Beraterin zu sein, die von außen sieht was Sache ist und damit konfrontiert wird, dass der Betroffene scheinbar nichts mehr sieht und sich quasi zu Tode agiert…

Aber gehen wir nun dorthin, wo die Geschichte beginnt. Am Strand. Was machen Sie, wenn Sie am Strand sind und eine in der Sonne glitzernde Flasche sehen? Sie laufen hin und erkennen erstaunt, dass jemand drinnen hockt. Fasziniert knien Sie sich hin und winken diesem Jemanden zu. Er reagiert nicht. Dann versuchen Sie es mit klopfen. Aber auch jetzt passiert rein gar nichts. Da es so heiß ist, entscheiden Sie sich die Flasche samt Inhalt mitzunehmen, denn Ihr Instinkt sagt, dass es verdammt heiß wird in dieser Flasche und schon recht bald, der Insasse zu verdursten droht. Zu Hause angelangt wagen Sie einen weiteren Blick in die Flasche.

Da sehen Sie diesen Jemanden wild herumflitzen. Ganz fertig schaut er aus. Sie denken, na dann werde ich ihm `mal Essen und Trinken anbieten. Da er Sie anscheinend nicht wahrnimmt, transportieren Sie, in einem Balanceakt, Essen und Trinken in die Flasche hinein. Er sieht es, aber nimmt kaum etwas zu sich. Gerade so viel, dass er weiter agieren kann, aber nicht mehr und nicht weniger.

Die Signale ändern sich

Hmmm, denken Sie und stellen die Flasche erst einmal zur Seite. Mit der Zeit lässt Sie der Inhalt dieser Flasche nicht mehr los. Sie müssen immer wieder daran denken, ob es diesem Jemanden noch gut geht und ob dieser Jemand es schafft, für sich selbst Sorge zu tragen. Ihre Blicke in die Flasche werden zunehmend zu einer Belastung für Sie selbst. Denn mittlerweile erkennen Sie, dass dieser Jemand sehr viel tut, dabei aber nicht auf sich selbst achtet. Alles nicht so schlimm, versuchen Sie sich zu beruhigen, wenn da nicht die Signale wären, die dieser Jemand aussendet. Diese Signale werden immer dringlicher. Kurz bevor Sie ins Bett gehen, wagen Sie einen weiteren Blick in die Flasche. Im Moment des Hinschauens, bereuen Sie diesen Blick schon wieder, denn es kostet Sie die halbe Nacht.

Der Teufelskreis – Mit gehangen, mit gefangen…

Dieser Jemand tut und tut und tut. Ganz fertig sieht er aus. Also wagen Sie einen weiteren Versuch der Kontaktaufnahme. Sie klopfen, Sie schütteln, Sie versuchen es mit lauter Musik und schlussendlich mit Lichtsignalen. SOS senden Sie. Ihre Signale werden von den Augen dieses Jemanden reflektiert, sodass auch Sie die Signale erhalten. Aber nichts passiert, was den Schlamassel beendet. Außer, dass dieser Jemand wütend wird, wild die Fäuste ballt, schreit und tobt, gegen die Flasche tritt, um dann „munter” weiter zu machen, mit seiner Selbstzerstörung.

Nun merken auch Sie, dass es vielleicht keine so gute Idee war, diese Flasche überhaupt zu bemerken. Damit fing auch für Sie das Übel an. Je mehr sich dieser Jemand unter Ihren Augen selbst zerstört, desto mehr macht es auch mit Ihnen etwas. Das wohl Schlimmste ist, dass Sie nicht eingreifen können. Das liefert Sie dem Geschehen aus. Sie sind Mitwisser ohne darum gebeten zu haben. Sie erleben ein Auf und ein Ab Ihrer Gefühle. Schwanken zwischen, sich einzureden, dass dieser Jemand schon zur Vernunft kommen wird und Gefühlen, wie wann es denn nun endlich zu Ende ist, dieses Drama. Zwischenzeitlich wünschen Sie sich ein schnelles Ende herbei, um dann wieder neue Pläne zu schmieden, wie Sie diesen Jemand doch erreichen können.

Kollektive Verantwortung – Ein Burnout ist schon lange nicht nur Sache des Betroffenen selbst…

An dieser Stelle der Geschichte wird klar, dass wir Berater auf der guten Seite der Story stehen. Denn unser Beruf macht es möglich, solche Kreisläufe zu beenden. Sagen wir, wir bekommen die Möglichkeit dazu. Aber auch wir sind auf die Mithilfe des Jemanden angewiesen. Ohne die Erkenntnis des Betroffenen geht nichts. Diese braucht es, da ausschließlich er selbst die Zerstörung stoppen kann. Irgendwann tut es sein Körper. Leider überlebt nicht jeder dieses Stoppen auf körperlicher Seite. Diesem körperlichen Stopp gehen „tausende” von Warnsignalen voraus. Jedes einzelne ist ein Angebot zum Einhalten und Umkehren. Wir Berater übersetzen diese Signale und machen diese bewusst.

Was aber macht das Kollektiv der Menschen, die zu Mitwissern werden, ohne darum gebeten zu haben? Zum Beispiel die Patienten, denen auffällt, dass ihr Arzt kurz vorm Umkippen ist, aber dieser so tut als ob nichts sei. Oder Kollegen, die mit einem Jemanden konfrontiert sind, der zwischen Erschöpfung, Aggression und rastlosem Tun agiert und dabei immer weniger produktiv ist? Oder die Mitarbeiter, die unter Ihren Chefs leiden, deren stressbedingten cholerischen Anfälle schwer belasten. Oder die Lebenspartner, die der Selbstzerstörung des Partners scheinbar ausgeliefert sind.

Stopp mit dem duldsamen Schweigen

Stress mit Todesfolge ist schon seit Jahren ein gesellschaftliches Problem. Öffentlich wird diskutiert, ob Burnout nur eine weitere Modeerscheinung darstellt oder doch ein schwerwiegendes gesellschaftliches Laster, dem so recht keiner mehr entkommt.

Als Beraterin weiß ich, dass das Burnout zum Verlust der Regenerationsfähigkeit führt. Also der Fähigkeit, ausruhen zu können. Sich das vorzustellen fällt schwer. Aber beobachten Sie jemanden, der daran gehindert wird zu schlafen. Was Sie dann erleben, sind die Zustände die eintreten, sollte es zu einem Burnout kommen. Und aus Erfahrung weiß ich, ein Burnout macht vor keiner Berufsgruppe halt.

Selbst bei meinen Vorträgen vor Medizinern beobachte ich, bei einigen Teilnehmern, schwerwiegende Signale, die in Richtung „Ausbrennen” deuten. Die Zeiten, wo man an Manager dachte, wenn es um Betroffene des Burnouts ging, sind schon lange vorbei.

Was tun, wenn ein Jemand im eigenen Wirkungskreis lebt?

Mein Tipp lautet, seien Sie unbequem, aber freundlich, wenn auch Sie zum Mitwisser werden. Dulden Sie keine Zerstörung in Ihrem Umfeld, denn auch Ihre Lebensqualität ist betroffen, wenn Selbstzerstörung stattfindet. Mehr noch, auch Sie geraten unter Stress und damit werden Sie zum Betroffenen. Je länger Sie mit ansehen, was da an Zerstörung stattfindet, desto mehr geht die Zerstörung auch auf Sie über. Betrachten Sie Ihr „ohnmächtiges Miterleben” als Aufforderung zum Handeln. Ihr Gegenüber können Sie nicht verändern, aber Ihre Handlung sowie Ihre Reaktionsweise schon. Werden Sie nicht müde, die Konsequenz auf sich selbst darzustellen, wenn sich ein Betroffener vor Ihren Augen selbst zerstört.

Bleiben Sie dabei aber immer freundlich, sachlich und direkt. Denn Aggression und Wut ist bei Stresskreisläufen wie diesen ein natürlicher Bestandteil. Wird diese Art von Aggressivität aufgegriffen, so verstärkt man ungewollt das negative im Burnout. So können ganze Abteilungen oder Firmen an Performance und Tatkraft verlieren, wenn ein Verantwortungsträger in den Selbstzerstörungsmodus fällt. Distanzieren Sie sich von allen negativen Folgeerscheinungen Ihres Vorgesetzten, aber begegnen Sie diesem nur noch in der verbleibenden positiven Seite.

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